Sicherheits-Tipps

Praxisnahe Hinweise für Zuhause und den Betrieb: vom sicheren Laden einzelner Akkus bis zum Schutzkonzept für gewerbliche Lager, Mehrfachladestationen und stationäre Lithium-Ionen-Speicher.

Wann entstehen Akkubrände?

Das deutsche Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung (IFS) berichtet: Bei drei von vier untersuchten Akkubränden entstand das Feuer während des Ladens. Das ist keine landesweite Schweizer Statistik.

Infografik: Akkubrand beim Ladevorgang - Risikofaktoren und Prävention

Quelle: BFB, mit Bezug auf den IFS-Report vom März 2024. Infografik zur Veranschaulichung.

BFB: Daten und Empfehlungen nachlesen

E-Bike Sicherheit

Sicherer Ladeplatz

KRITISCH

Lade den Akku auf einer feuerfesten Unterlage und entferne brennbare Gegenstände aus der unmittelbaren Umgebung.

Beim Laden anwesend bleiben

KRITISCH

Lade den Akku nicht nachts und nicht, wenn niemand zu Hause ist. So kannst du bei einem Warnzeichen reagieren.

Rauchmelder einplanen

WARNUNG

Ein Rauchmelder im Ladebereich wird empfohlen. Prüfe ihn regelmässig nach den Angaben des Herstellers.

Passendes Ladegerät verwenden

KRITISCH

Verwende das Originalladegerät oder ein Ersatzladegerät, das vom Hersteller ausdrücklich für den Akku geeignet ist.

Laptop & Geräte

Freie, feste Fläche wählen

WARNUNG

Lade den Laptop auf einer festen, freien Fläche. Decken, Kissen, Betten und Sofas können die Wärme stauen.

Lüftung frei halten

INFO

Achte darauf, dass Lüftungsöffnungen und Netzteil nicht abgedeckt sind und sich nicht unnötig erwärmen.

Kabel und Netzteil prüfen

WARNUNG

Kontrolliere Ladegerät und Kabel auf Risse, lose Teile oder Verfärbungen. Verwende beschädigte Teile nicht weiter.

Powerbank & Unterwegs

Nicht in Taschen laden

WARNUNG

Lade eine Powerbank nicht in einer geschlossenen Tasche oder unter Textilien. Sie braucht eine freie Umgebung.

Geeignetes Zubehör wählen

KRITISCH

Verwende ein Ladegerät und Kabel, die für die Powerbank geeignet sind. Beachte die Angaben des Herstellers.

Vor Hitze schützen

WARNUNG

Lass die Powerbank nicht in direkter Sonne oder in einem stark aufgeheizten Fahrzeug liegen.

Allgemeine Regeln

Defekte Akkus nicht weiterverwenden

KRITISCH

Bei Aufblähung, Beschädigung oder ungewöhnlichem Verhalten verwende und öffne den Akku nicht. Trenne ihn nur vom Strom, wenn dies ohne Gefahr möglich ist.

Warnzeichen ernst nehmen

KRITISCH

Rauch, Zischen, starker Geruch oder starke Hitze sind Warnzeichen. Einen heissen oder rauchenden Akku transportierst du nicht.

Fachgerecht entsorgen

INFO

Defekte Akkus gehören nicht in den Kehricht. Gib beschädigte oder aufgeblähte Akkus an einer bedienten Sammelstelle ab; fest verbaute Akkus baust du nicht selbst aus.

Aktualisiert im September 2026

Drei neue Erkenntnisse, die du sofort umsetzen kannst

Aktuelle Fälle und Schweizer Kontrollen zeigen: Viele Brände beginnen nicht nur beim Laden. Auch falsche Entsorgung, ungeeignete Produkte und zu viele Akkus am gleichen Ort erhöhen das Risiko.

Beschädigte Akkus sicher zurückgeben

Geblähte, verformte oder beschädigte Akkus gehören umgehend zu einer bedienten Sammelstelle. Lege sie für den Transport einzeln in einen Plastiksack und klebe freiliegende Pole gegen Kurzschluss ab. Fest verbaute Akkus nicht selbst aus dem Gerät entfernen. Heisse, rauchende oder zischende Akkus nicht transportieren; Abstand halten und 118 alarmieren.

Quelle: Swiss Recycle →

Ladegeräte nicht nur nach Preis wählen

Das ESTI fand 2025 bei 281 von 1’001 risikobasiert geprüften Elektroprodukten Mängel. Achte auf eine klare Herstelleradresse, erreichbaren Kundendienst, eine verständliche Anleitung und einen Stecker nach Schweizer Norm. Das CE-Zeichen allein ist kein unabhängiges Prüfzeichen.

Quelle: ESTI / Der Bundesrat →

Viele Akkus brauchen ein Sicherheitskonzept

Lade oder lagere grössere Bestände nicht in gewöhnlichen Kellerabteilen, Fluchtwegen oder direkt neben brennbaren Materialien. Betriebe sollten Ladeplätze, Überwachung, Abstände und das Vorgehen im Notfall mit einer Brandschutzfachperson festlegen.

Aktueller Fall: Rothrist AG →

Warum Entsorgung so wichtig ist: Laut dem 2026 vorgestellten Forschungsprojekt BatZink landen in der Schweiz jährlich rund 35 Millionen Gerätebatterien im Kehricht. Batterien und Geräte mit Akku gehören zurück zur Verkaufs- oder Sammelstelle – nie in den Hauskehricht.

Erweiterte Sicherheit für Betriebe

Lithium-Ionen-Speicher brauchen ein objektspezifisches Schutzkonzept

Ob Ersatzakkulager, Mehrfachladestation, Flurförderzeuge oder stationärer Stromspeicher: Entscheidend sind der Energieinhalt, der Batteriezustand, die räumliche Situation und die mögliche Brandausbreitung. Die folgenden Punkte helfen bei der Vorbereitung – sie ersetzen keine Beurteilung durch Brandschutzbehörde, Gebäudeversicherung und Elektrofachperson.

Erster Schritt im Betrieb

Energieinhalt erfassen, Bereiche trennen, Verantwortlichkeit festlegen.

1. Risiko nach Energieinhalt einordnen

Die VKF unterscheidet bei gewerblichen Lagern und stationären Speichern drei Gefahrenstufen. Massgebend ist nicht nur die Stückzahl, sondern die gespeicherte Energie im Lagerbereich beziehungsweise Brandabschnitt.

AnwendungHL I – geringHL II – mittelHL III – hoch
Gewerbliches Lager pro 1 m³ Lagereinheitunter 1 kWh1 bis 50 kWhüber 50 kWh
Stationärer Speicher pro Brandabschnittunter 15 kWh15 bis 100 kWhüber 100 kWh

Die Einstufung ist eine Planungsgrundlage. Nutzung, Bauweise, Lagermenge, Batterietyp und kantonale Auflagen müssen zusätzlich berücksichtigt werden. Für LFP-Speicher enthält die VKF-FAQ von 2025 einen eigenen möglichen Lösungsansatz.

Bestand und Zustand dokumentieren

Erfasse Batterietyp, Energieinhalt, Anzahl, Lagerort und Verantwortliche. Lagere nur eindeutig identifizierte Akkus; ein Prüfungsnachweis nach UN 38.3 bietet zusätzliche Sicherheit. Prototypen, Umbauten und Second-Life-Akkus benötigen eine gesonderte Gefährdungsbeurteilung.

Lager räumlich und baulich trennen

Keine Lagerung in Fluchtwegen, Lüftungszentralen oder feuer- und explosionsgefährdeten Räumen. Akkus möglichst in Versand- oder Originalverpackung lagern, Brandlasten fernhalten und die notwendige Brandabschnittsbildung durch eine Fachperson bestimmen lassen.

Ladebereich technisch auslegen

Installation, Kabel und Steckverbindungen müssen für die maximale gleichzeitige Bezugsleistung dimensioniert sein. Nutze nur freigegebene Ladegeräte und Komponenten. Für Mehrfachladestationen ab zehn Geräten nennt die VKF feuerwiderstandsfähige Ladeschränke oder einen separaten Brandabschnitt mit mindestens EI 30.

Quarantäne für Auffälligkeiten vorbereiten

Definiere vor dem Ereignis, wohin beschädigte, geblähte, heisse oder abgestürzte Akkus kommen. Sie dürfen nicht weiter benutzt oder ins normale Lager zurückgelegt werden. Der Quarantänebereich muss getrennt, gekennzeichnet, überwacht und für die fachgerechte Übergabe vorbereitet sein.

Früh erkennen und Feuerwehr vorbereiten

Lege eine geeignete Branddetektion und Alarmweiterleitung fest. Feuerwehrpläne müssen Speicherorte, Energieinhalte, Abschaltmöglichkeiten, Zugänge und Quarantäneflächen zeigen. Berücksichtige toxische Brandgase, mögliche Wiederentzündung und kontaminiertes Löschwasser im Notfallkonzept.

Menschen, Kontrollen und Abläufe organisieren

Benenne eine verantwortliche Person, führe Sichtkontrollen und dokumentierte Rundgänge durch. Mitarbeitende müssen Warnzeichen, Abschaltmöglichkeiten, Alarmwege und Evakuation kennen. Änderungen an Bestand, Leistung oder Nutzung lösen eine erneute Risikoprüfung aus.

Konkrete VKF-Werte für Lade- und Lagerbereiche

  • 2,5 Meter Abstand zu brennbaren Materialien bei gewerblichen Mehrfachladestationen und beim Laden von Flurförderzeugen.
  • Mindestens EI 60 als Lösungsansatz für gewerbliche Lager der Hazard Levels II und III.
  • Über 500 kWh pro Brandabschnitt: zusätzliche Massnahmen wie kleinere Brandabschnitte und eine geeignete Sprinkleranlage prüfen.
  • Palettenlagerung: bevorzugt in den unteren zwei Palettenlagen, Oberkante des Lagerguts höchstens zwei Meter über Boden.

Bei Rauch, Zischen, Geruch oder starker Erwärmung

  1. 1. Menschen warnen: Bereich räumen und Türen schliessen, ohne sich selbst zu gefährden.
  2. 2. Alarmieren: Feuerwehr über 118 verständigen und auf Lithium-Ionen-Batterien hinweisen.
  3. 3. Abstand halten: Rauch und Dämpfe nicht einatmen; beschädigte Akkus nicht anfassen oder transportieren.
  4. 4. Einweisen: Feuerwehr zu Speicherort, Energieinhalt, Abschaltstelle und Zufahrt informieren.
  5. 5. Nachsorge sichern: Wiederentzündung, kontaminierte Rückstände und Löschwasser fachlich beurteilen lassen.

Planungsgrundlagen und Fachquellen

Je nach Anlage sind zusätzlich die Niederspannungs-Installationsnorm SN 411000 (NIN), SNR 460712 für stationäre elektrische Speichersysteme und SIA 2061 für Batteriespeichersysteme in Gebäuden relevant.

Du lagerst oder lädst Akkus im Betrieb?

Eine Begehung vor Ort zeigt, ob Lagerung, Ladeinfrastruktur, Alarmierung und Notfallabläufe zu deinem Bestand passen.

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Selbstschutz geht vor

Ein Löschmittel ersetzt kein Schutzkonzept.

Bei Lithium-Ionen-Akkus können innere Reaktionen weiterlaufen, auch wenn keine Flammen mehr sichtbar sind. Kühlung und die Gefahr einer Wiederentzündung sind wichtige Themen für die Feuerwehr. Ein bestimmter Feuerlöscher garantiert deshalb nicht, dass ein Akku sicher ist.

Für Zuhause

Bei E-Bike-, Scooter- oder grösseren Akkubränden: Menschen warnen, den Bereich verlassen und die Feuerwehr über 118 alarmieren. Einen brennenden oder ausgasenden Akku nicht selbst durch die Wohnung tragen. Die BFB nennt Wasser für kleine Entstehungsbrände nur unter der Voraussetzung, dass keine Eigengefährdung besteht.

Für Betriebe

Stimme Löschmittel, Dimensionierung, Branddetektion und Rückhaltung von Löschwasser auf Akkuarten und Energieinhalt ab. Lass das durch eine Brandschutzfachperson beurteilen. Produktwerbung oder eine neue Brandklassifizierung begründen allein keine pauschale Beschaffungspflicht.

Quelle: BFB – Verhalten bei Akkubränden